im zusammenhang mit dem nationalismus, rechtspopulismus, fremdenhass und rassismus, dem wir in europa und in der schweiz erneut begegnen, ist viel von der unbeschreiblichen dummheit dieser stumpfen, menschenunwürdigen haltung die rede, in kommentaren, internet-foren, in gesprächen. nicht nur ihre haltung, nein, sogar die menschen selbst werden gelegentlich der dummheit bezichtigt. 

ich fürchte aber, dass es nicht dummheit ist, die dieser haltung zugrunde liegt, sondern eben die intelligenz weniger menschen, die menschenverachtung gezielt zum eigenen machterhalt und machtausbau in einer breiten öffentlichkeit etablieren und propagieren. 

sie appellieren dabei an dumpfe ängste, die abzurufen bei den meisten menschen mit demagogischen methoden ein leichtes ist. trotz der nun mehr als ein jahrhundert andauernden möglichkeit zur introspektion, bevorzugen viele menschen die projektion, um das psychische gleichgewicht in einer, wie behauptet wird, bedrohten und bedrohlichen welt zu halten. (sie ist in wirklichheit nicht bedrohter und bedrohlicher als sie je war, auch dies nur eine behauptung jener, die mit der verwaltung von staaten mittels apparat, polizei, behörden ihre macht ausbauen und ihren reichtum festigen wollen. wir hätten die möglichkeit, vieles zum guten zu wenden, wenn wir es tatsächlich wollten.) 

die projektion wurde in einem für unsere kultur wichtigen weisheitsbuch, der bibel, immer wieder bildhaft beschrieben, zum beispiel bei matthäus, 7.3:

„Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ 

ängste: 

ich werde arm sein und verhungern, jemand nimmt, was mir gehört, mein lebensraum wird okkuppiert oder besetzt werden und ich mit allem, was darin lebt, zugrunde gehen. ich werde mir die erfüllung meiner lüste nicht mehr leisten können, wenn andere diese lüste auch für sich selbst einfordern, ich werde für den luxus der faulheit in meinem denken und handeln bestraft werden, überhaupt wird strafe über mich kommen, von menschen und göttern. ich muss arbeiten bis zur erschöpfung. unsere kinder werden misshandelt und geschlachtet werden. ich werde überhaupt: nicht genug bekommen, zuletzt auch nicht genug liebe.

die mächtigen, die diese ängste abrufen, wissen genau, dass sich mit ihrer sorgsamen pflege viel geld verdienen lässt: wir brauchen grenzen, nationalitäten, güter, welche die innere leere kaschieren, deren kauf und konsum aber milliarden in die kassen der reichen spült, gleichgeschaltete, ungesunde nahrung, mit der zweimal verdient werden kann: bei der produktion und bei der therapie der durch sie entstandenen krankheiten, tiere zum fressen, hinter kuscheltieren unsichtbar gemacht, unterhaltung ohne ende, damit das denken nicht einsetzt. hier dient es dann auch der reichtumsvermehrung, schulen wegzusparen, die bildung zu kürzen.

die angst vor dem fremden, der kommt, und mich zerstören will, ist die angst vor meiner eigenen zerstörungswut und meiner angst, zu verwunden und verwundet zu werden. philosophische und psychologische, künstlerische welten könnten vielleicht, scheue hoffnung, mithelfen, den balken im eigenen auge zu zertrümmern. religion kann dazu wohl in zukunft nicht mehr dienen. sie ist zu sehr mit den mächtigen gekoppelt. was offenbart die freie sicht? menschen, die sich freuen, die leiden, die leben und lieben möchten. 

in der agglomeration der stadt luzern hat nun der parteipräsident der rechtspopulistischen partei der schweiz, svp,  die nur noch so genannt werden sollte, (die dinge bei namen zu nennen ist der wichtigste schritt für den illusions-entzug) seine angst vor einem wohn- und bildungszentrum für unbegleitete asylsuchende zwischen 11 und 16 jahren so ausgedrückt, dass sie in der forderung nach einer bürgerwehr gipfelte, um sich gegen die durchwegs als kriminell und gefährlich bezeichneten bewohner eines solchen zentrums wehren zu können. 

besonders interessant scheint mir seine argumentation: anwohner des geplanten zentrums hätten bei ihm die befürchtung geäussert, ihre immobilien könnten durch die anwesenheit des menschlichen ungeziefers (nicht explizit so benannt -aber so bewertet) an wert verlieren.  es geht also einmal mehr um die angst, zu verarmen, respektive, den eigenen übergrossen reichtum, in dem unsere menschlichkeit zu ersticken droht, nicht halten zu können. subkutan ist wohl fast jedem von uns bewusst, dass wir zu reich sind,  zu satt, zu gelangweilt, und dass wir unseren reichtum neu verteilen müssen - ich sehe keinen weg, der daran vorbeiführen würde. wohl darum ist der aufschrei so gross, weil uns das unrechts-bewusstsein immer klarer wird, wir aber, gerade im braven schweizchen, noch davor zurückschrecken, uns anständig zu verhalten. das eingeständnis, dass unser staatsbürgerliches verhalten über jahrhunderte auf bereicherung und sich schadlos halten aus war, ist wohl zu schmerzhaft für die kollektive spass-gesellschaft. die macht sagt uns: wenn du arm sein wirst, wird es dir schlecht ergehen. in tat und wahrheit ist am ende auch jener tot, der sich den teuersten tropenholz-sarg leisten konnte. leider ist er kein bisschen toter als der im einfachen sarg, obwohl er noch schnell mitgeholfen hat, unsere regenwälder über sein ableben hinaus nachhaltig zu schädigen. 

ist dieser parteipräsidenten-mensch, von vielen so tituliert, tatsächlich dumm? ich befürchte zu meinem kummer, dass er es nicht ist, denn es würde sich dabei um den ungefährlichsten aller möglichen sachverhalte handeln. vielmehr gehe ich davon aus, dass er weiss, wie er mit seinen äusserungen seine macht und jene der partei stärken kann, zustimmung der nicht-denkenden mehrheit bekommt, auf diese art und weise, wenn auch nur im dorf, in welchem die kirche für immer bleiben soll, mehr zu sagen, zu entscheiden und zu richten hat, am grossen geldfluss angeschlossen werden wird, und es sich eben in der kultivierung des populismus gemütlich machen kann. von der online-zeitung angesprochen, ob er wirklich befürchten müsse, dass messerstechereien, vergewaltigungen, einbrüche im dorf zunehmen würden, meinte besagter parteipräsident: „Das sind natürlich Floskeln…Ganz so dramatisch dürfte es nicht werden.“ - er weiss es also. 

was er will, ist zuwendung, machtgewinn, das bild vermitteln, er halte seine hand schützend über eine gemeinde, die von abfall und moscheen zugemüllt zu werden droht. 

er weiss, dass es funktionieren wird. 

nein. dumm ist dieser mensch nicht.  er ist intelligent und gefährlich. und gehört darum, wie alle mächtigen, die uns erzählen, wir müssten uns gegen die fremden und das fremde wehren, schleunigst aus amt und unwürden gezogen: denn sie sind es, welche die gesellschaft zu zerstören versuchen, da sie unsere menschlichkeit attackieren, unsere gabe, zu integrieren, auf fremde zuzugehen, zu teilen, und uns glücklich zu fühlen, weil wir verteilen können, etwas zu geben haben. 

wie heisst es in dem alten, bereits zitierten weisheitsbuch, an dessen gott ich glaube und nicht glaube, (auch er diente zu lange dazu, die breite masse zu verängstigen und zu unterdrücken) das mir aber doch sehr tröstlich zu sein scheint, in seiner brillanten und visionären intelligenz?

da war doch was?

„In allem habe ich euch gezeigt, dass man sich auf diese Weise abmühen und sich der Schwachen annehmen soll, in Erinnerung an die Worte Jesu, des Herrn, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen.“ apostelgeschichte, 20, 35

ein jeder werde präsident über sein eigenes denken. 

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quelle: http://www.zentralplus.ch/de/news/politik/4523527/Krienser-SVP-malt-Horrorszenario.htm

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Authorpius strassmann

berg- und talfahrt

eines meiner gedichte im bemerkenswerten projekt 
„mit poesie auf berg- und talfahrt“ im kanton uri.

noch bis im herbst 15. genaueres dazu: 
http://www.literatur-mobil.ch/bergundtalfahrt.html
es ist schön, wenn das eine gedicht, unter so vielen, ankommt. 

alle gedichte sind auch als sehr schönes postkarten-set erhältlich. 

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Authorpius strassmann

 

wenn du singst, lass musik zu dir kommen, 
durch dich fliessen, die welt erreichen,
sonst nichts.

zeige nicht deine technik, denk nicht, du seist der beste, die schönste;
du bist uninteressant für das publikum, du störst die musik. 
spiel dich nicht auf, sing so, dass du die andern besser hörst
als dich selbst. 
lebe so. 

sei nicht laut, sei in musik, nicht in berühmtheit,
nicht in rivalität, nicht im triumph, 
sei da, sonst nichts.

misstrau dem applaus!
denn musik will
vom sein - zum nichts -  zum sein.
sonst nichts.

kannst du dein ego nicht ablegen:
schweig. 
schweig wie die asche deines erloschnen feuers.

vielleicht beginnt es zu klingen in dir.
irgendwann später.
falls du keine musik hörst: (und nicht mit den ohren)
schweig!

schade der welt nicht.

danke.

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nach einem konzertbesuch

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Authorpius strassmann

in aktion mit andré schürmann, der subtile und gescheite spoken-word texte schreibt. 
es macht mir spass, ab und zu seine texte musikalisch mitzugestalten. 
hier im satz & pfeffer in zug, am 11. juni 15 - es war ein fabelhafter abend!

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Authorpius strassmann

am freitagmorgen, dem 15. mai, rede ich an der tagung der musiklehrerinnen des kantons luzern zum thema wettbewerb. 
eine eher befürwortende stimme, eine eher kritische stimme - die meine - und ein philosoph teilen ihre überlegungen mit, um nachher ins gespräch zu kommen, auf der bühne und mit den gästen. 

mein vortrag: einige stichworte.

meine wettbewerbserfahrung als junger chorleiter…
zum begriff der „texttreue“, einem wichtigen wettbewerbskriterium, in der musik…
improvisation und komposition in der musikalischen bildung…
vor-spielen oder spielen? …
musik - wettbewerbe: spitze des eisberges einer suppressiven musikerziehung…
braucht unsere gesellschaft sieger?…
geschichten aus einem kindergarten zum thema…
wettbewerb und hochbegabung…
sind wettbewerbe für die kinder oder für die musiklehrpersonen wichtig?
zur würdigung all jener, die nie ein kind an einen wettbewerb schicken…
musik-erziehung als feld seelischer verwüstung…
aus der sicht der musik-kinesiologie…
wer braucht 100 punkte?…

es könnte also spannend werden. anmeldung ist noch möglich. 
das programm finden sie in der rubrik „konzerte und lesungen“

ich freue mich auf einen anregenden austausch im bewusstsein, dass niemand mit seiner sicht der dinge „recht“ hat, sondern dass das gegenteil, die gegenseite zu jedem thema auch richtig ist. 

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Authorpius strassmann

wenn bach eine aussage musikalisch in einigen stimmen eindeutig und oft parallel führt, sind oft andere stimmen in gegenbewegung - leicht verschoben, absteigend statt aufsteigend oder umgekehrt, in eine andere tonart modulierend, eine bejahende bewegung in eine frage verwandelnd. dies gibt seinem werk eine ungeheure komplexität, tiefe, mehr-dimensionalität. man könnte auch im psychologischen sinn des 20. jahrhunderst vom mit-komponieren des schattens einer aussage sprechen, eine technik, die kompositorisch nach bach erst wieder ab der späten romantik ganz bewusst genutzt wurde. gedeutet werden könnte dieses phänomen auch als die einführung des freien individuums. 

nach dem hören der passionen und der h-moll messe muss ich immer wieder an die letzten szenen von mozarts don giovannis denken, die mir als eigentliche fortsetzung bachs musik unmittelbar einleuchten. auch hier geht es nur noch um die emanzipation des indivduums, gegen sitte, zeitgeist und moral einer ganzen gesellschaft. das „nein“ wird zur befreiung des grundehrlichen geistes, der nicht nach dem preis seiner integrität fragt. 

doch zurück zu bach: die turba-chöre der johannespassion, heute würde man wohl sagen: nicht mehr sdg, sondern svp, sind ein erschütterndes beispiel für die voll-umfänglichkeit von bachs sicht des geschehens: das sofortige mitschwingen mit der erregten meute, die identifikation des hörers und der hörerin ereignet sich, weil die musik das geschehen   u n d   die psychische verfassung, wie etwa angst, abwehr, wut nicht nur zeigt, sondern auslöst. sie bleibt immer komplex, nie simplifizierend.
 
„nicht diesen, sondern barrabam“ - geradezu freudige erwartung, tänzerische lust, aufgeregtes rufen, textlich leicht versetzt stimmen: ja! denken wir sofort, ja! er soll hängen! schon beim nächsten arioso ist allerdings die betroffenheit über die eigene bereitschaft, den sündenbock zu opfern, um selbst vor entwicklung verschont zu bleiben, gross. ein wechselbad äusserster psychologischer raffinesse. 

und so bleibt beim hören bachs immer auch die trauer, dass es nicht einfach ist, sondern komplex, dass das gute auch das böse ist, und das helle blitzschnell verdunkelt. und diese trauer ist immer gleichzeitig: die freude.

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Authorpius strassmann

heute, in einer kleinen gemeinde am rande des kantons zürich, mit einer organistin für den karfreitags-gottesdienst geprobt. so im tönen und spielen kommt der totengräber in seiner orangen plastikhose daher mit einem enormen grabkranz, welchen er vom chor der kirche auf das grab trug. es hatte vorher eine beerdigung stattgefunden, und einige der schönsten kränze schmückten den chorraum. "könnt ihr mir helfen, ihr habt ja nichts zu tun", sprach der totengräber recht freundlich in eine sarabande corellis hinein: "und mir die türe öffnen!" die orgel befindet sich parterre, gleich zur linken der türe.
- aber sicher! gerne! und die blockflöte schnell niedergelegt! zwei flügeltüren, die innere und äussere geöffnet, auf dass der kranz mit angehängtem totengräber uns nichtstuer passieren kann! wie schwer muss so ein kranz wiegen, beschwerlich gegen das nichtstun mit blockflöte, die sich nicht mal als grabschmuck eignet - wer musik tut, tut nichts. das ist mir nun klar. und fraglich, ob einem, der dergestaltiges nichtstun tut, dereinst ein so schöner kranz aufs grab gestellt werden soll! 
zum abschied!

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Authorpius strassmann

in letzter zeit bekomme ich wieder vermehrt anfragen von chören, die was schönes aufführen möchten. gutes beispiel ist der actus tragicus: ein ziemlich anspruchsvolles stück kammermusik, das spezialblockflöten und agile, gute spielerinnen braucht, eigentliche solisten. von der bezahlung der normalen orchestertarife sind aber diese anfragen oft weit weg, von solistischen tarifen ganz zu schweigen. scheinbar gibt es genug musikerinnen, die losrennen bei einer anfrage, um für ein trinkgeld die konzertwelt zu zerstören. würde einer der lehrer, anwältinnen, ärzte, in den oft guten, semiprofessionellen chören für einen stundenlohn von 30.- oder 40.- franken arbeiten? 

auf rückfrage höre ich fast immer: "leider ist unser budget nicht grösser" - aha. 

ja, klar! ich werde jetzt auch zu einem architekten gehen und sagen: "bau mir ein haus, ich habe 20'000! leider ist mein budget nicht grösser!" - das wird der sicher verstehen, und zum viertel-tarif arbeiten! schliesslich handelt es sich ja um eine gute sache! um kultur! 

mein wunsche wäre:
wenn ihr konzerte veranstaltet: bezahlt eure musikerinnen nach tarif.
wenn du musikerin bist: sag projekte ab, mit denen du dich zum hundersten mal selbst ausbeutest. beute dich wenigstens bei deinen eigenen projekten aus, in denen dein herzblut fliesst! 
das argument: "ich spiele halt so gern, ich werde dann entdeckt" - ist reichlich naiv. backt der bäcker in der freizeit brot, weil er es so gerne tut? und entdeckt werden wirst du nicht! 100 billigmusiker stehen hinter deinem rücken. hier wäre solidarität innerhalb der berufsgruppe gefragt!- ich habe meine konsequenzen gezogen und sage solche anfragen vehement ab, gerade auch, weil meine arbeitgeberinnen, die mich fürs unterrichten meines instrumentes angestellt haben, seit 20 jahren alles getan haben, um mich richtig gut zu bezahlen. auch ihnen gegenüber sind solche zusagen ein affront erster güte. - 

nun schluss mit der beschwerde: hier ist er: der actus tragicus: 
ein wunderschönes stück musik von bach 
- er hat ein leben lang für anständige bezahlung gekämpft!

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Authorpius strassmann
 

ich freue mich, dass im pfarreiblatt der katholischen kirch stadt luzern, oktober 14, gedichte von mir erschienen sind.

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Authorpius strassmann