Warum, meine Damen und Herren,
soll eine oder einer heute Musiker.in werden?
Dass unsere Welt eine bedrohte ist, das Zusammenleben der Menschheit gefährdet, das Eskalative uns verängstig, brauche ich nicht weiter auszuführen. Wir haben es alle längst erfahren, be-merkt, darüber nachgedacht.
Und da zeigen Sie Haltung und gehen auf die Bühne, um zu musi-zieren. Trotz alledem, oder gerade weil Sie um die Verheerungen unserer Welt wissen. Schaffen für uns diesen existenziellen, musikalischen Ort des Glücks.
Denn in einem Konzert sitzen Menschen mit den verschiedensten Überzeugungen, Auffassungen und politischen Ansichten. Trauri-ge und Freudige. Ängstliche und Friedfertige. Menschen mit tragischen Geheimnissen. Besorgte und auch einige in euphorischem Glück.
Menschen kommen zusammen. Treffen sich in der Musik. Die Ohren gehen ihnen auf, ihre Atmung beruhigt sich, der Puls sinkt, die Zuversicht steigt, viele vertiefen sich in Gefühle und Gedanken, die sie trösten und aufbauen.
Im Erleben von Musik werden wir zur Gruppe. Die entgegen-nimmt. Die sich einlässt, langsam, unmerklich, ihre Verhärtungen löst. Die Einzelnen gehen gestärkt und getröstet aus dem Konzert, tragen den Moment hinaus in ihr Leben.
Es ging nicht um Leistung, es ging nicht um Gewinnen, es ging nicht ums Präsentieren. Das alles gelingt, wenn es auch in Ihrem Spiel nicht um Leistung und Gewinnen geht, sondern um das Leuchten und Leben Ihrer Person in der Musik, so, wie wir es in Ihren Konzerten gehört haben.
Sie alle, die Sie heute ihre Diplome bekommen haben, ermöglichen uns dieses Wichtige, Allerwichtigste für uns, dieses Gefährdete: das Zuhören. Ich denke, dass Zuhören eine der wichtigsten Tätigkeiten der Menschen ist: Zuhören, nicht antworten.
Wir brauchen Sie. Ich danke Ihnen, dass Sie diesen Weg gehen. Möge er Ihnen Freude und Leichtigkeit bringen, wenigstens gelegentlich, das wäre schon viel.
Wir brauchen sie. Nicht irgendwann. Nicht erst, wenn Sie auf den grossen Bühnen spielen. Sondern jetzt. Jene, die ihre Musik unwichtig finden, brauchen sie am meisten. Wir all brauchen Sie. - Ich danke Ihnen herzlich und gratuliere Ihnen.